Die Chancen der Krise nutzen

COVID-19: Surf 'n Turf

Reiten Sie die neue Welle, gehen Sie mit ihr unter oder finden Sie ganz neue Wege?

Das Mindset ist entscheidend. Denn in der Krise wie der derzeitigen Corona-Krise steht die Welt nicht still. Sie läuft nur anders. Und sie muss weitergehen.

Die Frage ist also, wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um? Wie setzen Sie Ihre Prioritäten? Liquidität hamstern wie Toilettenpapier wird nur eine vorübergehende, scheinbare Lösung für eine von Unsicherheit geprägte Situation sein. Doch für die Zeit danach ist damit nicht vorgesorgt: Selbst wenn das vorgehaltene Geld noch das wert sein sollte, was es heute wert ist, so ist doch Zeit verloren gegangen, die notwendig gewesen wäre, um sich und das Unternehmen auf neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingungen einzustellen. Die Krise birgt für jeden eine Chance, aber nur dann, wenn man sie erkennt und ergreift.

Welche Chancen sind denkbar?

Chancen bestimmen sich natürlich stets nach dem Einzelfall. Sie gehören außerdem gründlich mit den Risiken abgewogen: Mit den Risiken des Verbleibs in der aktuellen (Hamster-) Situation und den Risiken, die mit dem Ergreifen der Chance entstehen können. Doch letztere sollten kein Hindernis darstellen, wenn die Chance auf feste Füße gestellt werden kann. Unsicherheiten wird es immer geben, doch auch darauf kann man sich vorbereiten.

Neue Produkte zu entwickeln und marktbereit zu machen, welche die Investition in der Krisenzeit schnell wieder einbringen und die Marktposition langfristig stärken, bieten eine solche Chance. Zeit zum Nachdenken und Kreativsein gibt es derzeit sicher. Mitarbeiter, die aktuell Luft haben, könnten also in Kreativprozesse eingebunden werden. Ungenutzte Ressourcen könnten testweise „zweckentfremdet“ werden, z.B. könnten Maschinen (natürlich fachgerecht) eingesetzt werden, um etwas anderes, etwas Neues zu schaffen. Vielleicht gibt es Ressourcen, die bislang unentdeckt im Unternehmen geschlummert haben, weil stets alles so lief, wie man es schon immer gemacht hat. Ideen in Schubladen von Mitarbeitern, Talente, die man zielgerichtet fördern oder befördern könnte und Kontakte, die bislang nicht in das eigene Konzept passten. Kontakte, die jedoch helfen könnten, dieses Konzept neu zu denken. Kreativsein kostet zunächst kein Geld. Die eigenen Ressourcen besser zu nutzen kostet nicht mehr und weniger, als wenn man sie zusätzlich von Dritten einkauft.

So kann es auch Sinn machen, ein Call-Center umzustellen von (zumindest derzeit) wenig sinnvollen Verkaufsangeboten auf ein Kundenangebot, die gemeinsame Zukunft mitzugestalten. Es erscheint dabei nicht abwegig, dass die Kunden sich z.B. freundlichen Erkundigungen nach ihren Wünschen und Erwartungen offen gegenüber zeigen. Aus diesen Umfrageergebnissen kann sich der Weg in die (gemeinsame) Zukunft ergeben: Mehr Attraktivität durch mehr und besseren, kundenorientierten Service. Die Digitalisierung im Sinne der Kunden bringt nicht nur Kosten, sie bringt auch Möglichkeiten sinnvoller Einsparungen an einer und Investitionen an anderer Stelle mit sich.

Chancen sollten vor allem um rechtliche Risiken entlastet werden

Natürlich ist bei den Versuchen der „Neukalibrierung“ das geltende Recht, u.a. das Arbeits- und Betriebsverfassungsrecht, der Arbeits- und der Datenschutz nicht zu vergessen. Doch auch neue Produkte müssen sich an geltenden Gesetzen orientieren, für die vielleicht der Blick, die notwendige Erfahrung und erforderlichen Kenntnisse fehlen.

Unter Umständen macht es Sinn, die Rechtsabteilung(en) umzustrukturieren, um die vorhandenen menschlichen Wissens-Ressourcen, bestimmt anhand der Ausbildung, Erfahrung und/oder Talente, besser nutzen zu können. Ein Betriebsrat ist gegebenenfalls auch hier hinzuzuziehen. Rechtsgebiete, die nicht sicher abgedeckt werden können, sollten durch externe Berater abgedeckt werden. Die verantwortungsbewusste Nutzung einer Chance umfasst nicht das Eingehen eines Risikos von Bußgeldern und Rück- sowie Schadensersatzzahlungen. Es geht also um die richtige Ressourcenallokation: Was kann die Rechtsabteilung leisten, was nicht? Macht es Sinn, drei Spezialisten bzw. Boutique-Kanzleien zu beauftragen, die infolge der hohen Spezialisierung schnell und dadurch günstig sind? Oder ist es akzeptabel, aus Gewohnheit eine Kanzlei zu beauftragen, die alles aus einer Hand anbietet, jedoch zur Einarbeitung in die einzelnen Spezialgebiete infolge breiter Aufstellung länger braucht?

Krisenzeiten sind Zeiten zum Umdenken. Wer den jahrelang gegangenen Trampelpfad als zertrampelt zu erkennen wagt, die Schuhe auszieht und grünes Gras betritt, der hat schon etwas gewonnen:

Eine große Chance.

V

Benötigen Sie Unterstützung beim Umdenken? Dann sprechen Sie mich gerne an.